Lohnt sich die Windenergienutzung überhaupt an Standorten in Süddeutschland?
Aus ökologischer und energiewirtschatlicher Sicht lohnt sich die Windenergienutzung auch an windschwächeren Binnenlandstandorten mehr denn je. Eine einzelne Windenergieanlage des Bürgerwindparks Südliche Ortenau produziert sechs bis sieben Millionen Kilowattstunden Strom – und damit deutlich mehr, als eine vor rund zehn Jahren in Norddeutschland an einem weit besseren Standort errichtete Anlage. Möglich wird dies durch die stark weiterentwickelte Anlagentechnik mit großen Rotordurchmessern und Nabenhöhen.
Volkswirtschaftlich ist es geboten, die Windenergie nicht alleine im windstarken Norden voranzutreiben, weil dies einen sehr umfangreichen und kostspieligen Ausbau von Hochspannungsleitungen erfordern würde.
Betriebswirtschaftlich wird dies aus Sicht der Betreiber berücksichtigt, indem das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz Anlagen an relativ windschwachen Standorten bevorzugt behandelt (Referenzertrags-Modell).
Geht von Windenergieanlagen Infraschall aus und wenn ja, ist dieser gesundheitsschädlich?
Welchen Anteil des deutschen Stromverbrauchs deckt die Windenergie?
Der Anteil des Stromverbrauchs, den die Windenergie decken kann, hängt naturgemäß vom Windangebot ab. Im Jahr 2025 haben die mehr als 30.000 installierten Anlagen an Land und auf See rund ein Viertel des bundesdeutschen Bruttostromvebrauchs gedeckt, alle Erneuerbaren Energien zusammen kamen 2025 auf einen Deckungsanteil von 55 Prozent.
Braucht die Herstellung einer Windenergieanlage mehr Energie, als sie im Laufe Ihres Betriebs produziert?
Nein, das ist definitiv nicht richtig. Während erste Untersuchungen aus der Pionierzeit der Windenergienutzung (1970er und frühe 1980er Jahre), beruhend auf unausgereiften Testanlagen, tatsächlich den Schluss zuließen, dass eine energetische Amortisation während der Lebenszeit einer Anlage kaum möglich ist, belegen zahlreiche Studien seit Ende der 1980er Jahre, dass sich die heutigen, ausgereiften Serienanlagen bereits in wenigen Monaten energetisch amortisieren.
Wie hoch ist die Schallbelastung durch Windenergieanlagen?
Um eine Genehmigung für eine Windkraftanlage zu bekommen, müssen – genauso wie bei jedem anderen Gewerbebetrieb – strenge Schallgrenzwerte der „Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ eingehalten werden:
| Art der baulichen Nutzung | Tag | Nacht |
| Industriegebiet | 70 dB(A) | 70 dB(A) |
| Gewerbegebiet | 65 dB(A) | 50 dB(A) |
| Kern-, Dorf-, Mischgebiet | 60 dB(A) | 45 dB(A) |
| Allgemeines Wohngebiet, Kleinsiedlungsgebiet | 55 dB(A) | 40 dB(A) |
| Reines Wohngebiet | 50 dB(A) |
35 dB(A)
|
| Kurgebiet, Krankenhaus, Pflegeanstalt | 45 dB(A) | 35 dB(A) |
Dabei werden die voraussichtlichen Schallbelastungen durch eine Windenergieanlage stets unter den ungünstigsten Voraussetzungen berechnet: Der Gutachter unterstellt, die Anlage würde durchgehend auf Volllast (also mit maximal möglicher Leistung) laufen und es gäbe keine sonstigen Umweltgeräusche wie Blätterrauschen oder Verkehrslärm.
Wer profitiert von der Windkraftnutzung?
Viele. Die vom Windpark genutzten Flächen gehören den Gemeinden Ettenheim, Seelbach und Schuttertal. Diese Gemeinden erhalten von der Betreibergesellschaft Pachtzahlungen.
Zudem halten die Gemeinden Ettenheim und Schuttertal zusammen 25,5 % des Stammkapitals der Betreibergesellschaft, weitere 25,5% der Stimmrechte hat die Genossenschaft Ettenheimer Bürgerenergie. Damit liegt der Windpark mehrheitlich in den Händen der Anliegergemeinden und der örtlichen Bürgerenergiegenossenschaft. Über die Genossenschaft mit ihren rund 350 Mitgliedern profitieren die Bürgerinnen und Bürger der Region auch direkt von der Windenergienutzung.
Ist der von den Windrädern produzierte Strom zu teuer?
Nein. Die Nutzung von Windkraft und Sonnenenergie ist inzwischen die effektivste und kostengünstigste Methode, um klimafreundlich Strom zu produzieren. Derzeit stammen rund 30 Prozent des in Deutschland produzierten Stroms aus Windenergie. Sie ist damit inzwischen die bei weitem bedeutendste Energiequelle im gesamten deutschen Strommix.
Die Erzeugungskosten von Windrädern und großen Photovoltaikanlagen sind die letzten Jahre drastisch gefallen und liegen in Deutschland im Bereich von 4-8 Cent/kWh. Dies ist in den meisten Fällen günstiger als bei einem neuen Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerk. Der weitere Ausbau der Windkraft ist deshalb unverzichtbar für eine bezahlbare Energiewende.
Bei der Stromerzeugung durch Windenergie entstehen zudem praktisch keine Abgase, Abfälle oder Abwässer und damit so gut wie keine Folgekosten.
Externe Folgekosten sind Kosten durch Umweltzerstörung, die nicht im Strompreis berücksichtigt werden und die die Allgemeinheit trägt. Würden die gravierenden Folgekosten der Produktion von Atom- sowie Kohlestrom (Endlagerung, Umweltschäden, CO2-Emissionen usw.) nicht aus Steuermitteln bezahlt, sondern auf den Strompreis umgelegt, wäre diese Umlage deutlich teurer wie die für erneuerbare Energien aus Sonne und Wind.
Wie lange können Windanlagen in der Regel betrieben werden?
Erfahrungen aus den vergangenen Jahrzehnten zeigen, dass Windanlagen bei regelmäßiger Wartung und Instandhaltung mindestens 20 Jahre, eher sogar länger betrieben werden können. Da sich die Windenergietechnik stetig weiter entwickelt, kann es allerdings sinnvoll sein, die bestehenden Anlagen des Bürgerwindparks bereits vor Ende ihrer Lebensdauer durch neue und leistungsstärkere Anlagen zu ersetzen (Repowering).
Wie werden beim Windparkbetrieb die Belange des Naturschutzes berücksichtigt?
Die gesamte Detailplanung für den Windpark sowie die Bauphase erfolgte in enger Abstimmung mit erfahrenen Biologen und mit Blick auf den Waldbestand und die Fauna so schonend wie möglich.
Bezüglich Artenschutz ist der Standort verglichen mit anderen Gebieten des Schwarzwaldes relativ konfliktarm, da er keinen Bestand an besonders gefährdeten Arten wie etwa Milan, Auerhahn, Wanderfalken oder Wespenbussard aufweist. Wie praktisch alle Wald-Standorte wird der Standort von Fledermäusen bewohnt. Diese wurden am gesamten Standort über etwas anderthalb Jahre von Spezialisten beobachtet und kartiert. Während der Bauphase unterlag das Projekt an diesbezüglich kritischen Standorten erheblichen Restriktionen, wie z.B. ein Baustopp während der Sommermonate.
Seit Inbetriebnahme der Anlagen wird ein aufwändiges Fledermausmonitoring betrieben und der Betrieb der Anlagen in den Zeiten zurückgefahren, in denen eine erhöhte Kollisionsgefahr mit den Fledermäusen besteht (insbesondere abends bei windschwacher und warmer Witterung).
Da eine Störung der Fledermauspopulation dennoch unvermeidbar ist, wurden benachbarte und geeignete Waldflächen von mehr als zehn Hektar aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen, um als Ausweich-Habitat für die Fledermäuse zu dienen.
Hat sich der Windpark negativ auf den Tourismus in der Region ausgewirkt?
Keineswegs. Ettenheim beispielsweise verzeichnete im Jahr 2025 erneut einen historischen Höchstwert an Besuchen von Touristen: Insgesamt wurden 149.935 Übernachtungen gezählt und damit ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr. Besonders positiv entwickelten sich die gewerblichen Beherbergungsbetriebe wie Hotels, Pensionen und der Campingpark Oase, die mit 127.829 Übernachtungen (Vorjahr: 119.134) ein starkes Wachstum erzielen konnten.

